Über Leben im Gesetzesnebel – Drogentransport und Korruption

Eine zischende Welle spült mein Schlauchboot an den weißen Sandstrand der im Osten des indigenen Kuna-Yala-Territoriums. Berge, bedeckt von wildem Dschungeldickicht türmen sich vor mir auf. Zwischen Kokosnuspalmen und über eine kleine Brücke führt ein Weg in das angeblich”ultratraditionelle” Kunadorf. Leuchtende Kinderaugen starren mich an, als hätten Sie noch nie einen Ausländer gesehen. Ich fühle mich fremd. Durch schmale Schlitze in den Bambuszäunen spähen neugierige Gesichter. Die schüchternen Blicke wandeln sich in Gekiecher. Zwei Jungs von der ganz mutigen Sorte folgen mir durch die schmalen Gänge mit stetig schrumpfenden Sicherheitsabstand.

Mitten im Dorf steht ein knallgelb angemaltes Betongebauede bedacht von rostigem Wellblech. Laute, lateinamerikanische Musik tönt aus der weit geöffneten Tür und das markante Klackern der Dominosteine ist von weitem zu hören.

Sofort werde ich hereingewunken und ein Sitzplatz in der Runde um das Dominospielfeld freigemacht. “Wie heisst du? Woher kommst du? Und gibt es dort hübsche Frauen?” lauten die ersten Fragen, dieser Männer. Ein hämmerndes Klopfen einer leeren Bierdose auf die Armlehne des Plastickstuhls alamiert die Barkeeper. Die nächste Runde ist fällig! Körbeweise schleppen die beiden Jungs das Dosenbier aus der riesigen Gefriertruhe durch den Raum.

Dankend lehne ich ab eingeladen zu werden, doch mein Sitznachbar, ein neununzwanzigjaehriger Panamerikaner, besteht darauf, dass ich hier Gast bin und er bezahlen will! “Nungut, wenn das hier so ist”, denke ich mir, “hoffentlich fehlt ihm das Geld am Ende nicht um seine Familie zu ernähren.” Für viele hier im traditionellen Teil des Kuna Yala geht es primaer ums Überleben. Das wenige Geld wird gespart für Kleidung, Lebensmittel und die Bildung der Kinder. Als ich bei der nächsten Runde erneut ablehne, sagt er nur: “Tranquilo” und zieht einen hundert Dollar Schein aus seiner Unterhose. Da beginnt es bei mir zu dämmern.

“Was arbeitest du? frage ich ihn. Er fängt an zu grinsen, überlegt kurz und antwortet: “Droga! Wie jeder hier im Raum. Alle wissen es. Tranquilo”

Ein paar Bier später erzählt er mir offen wie das Geschäft abläuft. In einem Motorboot mit nem 50PS Aussenborder holt er die Pakete in Kolumbien ab, rast über Nacht durchs Kuna Yala und den Kanal bis nach Panama City. Von dort aus wird der illegale Stoff weiter nach Costa Rica geschmuggelt. Eine Tour bringt ihm fünfzehn Mill. Weil es sehr gefährlich ist, hat er immer seine Waffen dabei.

“Wirst du nie von der Polizei kontrolliert”, frage ich vorsichtig. “Doch sehr oft sogar” entgegnet er und erklärt, dass er immer genügend “Plata” dabei hat, um die Officers zu bezahlen. Ich frage ihn ob er die Grenzbeamten der Insel besticht, die uns unfreundlicher Weise mit den Worten: “Wir sind kein Abschleppunternehmen”, Hilfe verweigert haben als wir in der Bucht feststeckten? “Claro, dreitausend Dollar kostet eine Kontrolle und dann ist alles tranquilo!” – Er lacht.

Bevor die Sonne untergeht verschwinde ich aus diesem zwielichtigen Dorf.

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